Die Nikolaikirche

Der große Brand vom 5. Mai 1842 hatte die Nikolaikirche mit ihrem barocken Turm fast komplett zerstört. Die Menschen saßen noch in der Heiligen Messe, als draußen die Stadt brennte. Sie mussten unterbrechen, flüchten, der barocke Turm stürzte auf das Kirchenschiff und vernichtete alles.

Der Spiegel berichtete 2017: “während die Ehrengäste die Götterfunken in der Elphi lauschten, flogen die Funken durch die Straßen und die Stadt brennte. Da war nichts Göttliches dabei”. L’histoire se répète.

Die Nikolaikirche wurde im neugothischen Stil neu aufgebaut, und sie wurde das höchste Bauwerk der ganzen Welt. Drei Jahre lang war sie das, von 1874 bis 1877, bis die Kathedrale von Rouen fertiggestellt wurde. Nach weiteren 3 Jahren musste diese dann den Platz für den Kölner Dom freimachen, der 1880 fertiggestellt wurde.

Der heilige Nikolaus ist der Schutzheilige von Reisenden und Seefahrern, der griechische Name Nikólaos heißt Sieg des Volkes.

Nach dem Großen Brand bekam die Stadt ein neues Gesicht: plötzlich sollte alles nicht nur funktional sein. Die Ästhetik wurde zunehmend wichtig. Man wollte sich zeigen. In Italien gab es eine ganz andere Architektur, und viele Elemente wurden übernommen. Es wurden Rundbogen (wie die Alsterarkaden) und andere klassizistische Formen gebaut. Endlich bekam die Stadt auch moderne Abwasserkanäle. Die Gasbeleuchtung ersetzte die Öllampen. Und auch das Umland profitierte: es wurden dringend ganz viele Baustoffe gebraucht, denn die Stadt musste neu aufgebaut werden. Die Ziegeleien in den Marschgebieten hatten Hochkonjunktur.

Die erste hamburger Eisenbahnstrecke war die nach Bergedorf und sollte am 7. Mai 1842 starten. Aber durch den Brand beförderten die ersten Züge anstelle von Ehrengästen Flüchtlinge aus der brennenden Stadt. Viel zu feiern gab es dabei nicht. Zehn Tage später wurde der normale Betrieb auf den nagelneuen Gleisen aufgenommen.

Ich fahre nach Bergedorf. Ich schaue die Stadt an. Ich denke.

Aachen hat Hamburg aufgebaut. Aachen.

Denn nach dem großen Brand war es die Aachener Feuerversicherung, die ein Großteil des Schadenersatzes geleistet hat. Sie hat immerhin 320.000 Talern bezahlt.

Leise sage ich: HA!