Die Kunsthalle

Schauen Sie sich eine alte Stadtkarte von Hamburg an.

Sie sehen eine befestigte Stadt mit Wachtürmen. Es war ein Niederländer, Johan van Valckenburgh (oder Jan van Valckenburgh), der die Erdwälle in Hamburg aufgeschüttet hat. Das war im 17. Jahrhundert, vor dem 30-jährigen Krieg. Er sollte die Stadt befestigen, Hamburg sollte uneinnehmbar werden. Die Wälle sind ungefähr dort, wo Planten un Blomen ist, es gibt da auch eine Johan von Valckenburgh-Brücke.

Er ließ die Große Alster in Binnen-und Außenalster teilen, mit Verteidigungswällen, die weit ins Wasser hineinragten. Ein Stück blieb noch offen, dort baute er die Lombardsbrücke.

Die Kunsthalle, die ja dieses Wochenende ihren 150-en Geburtstag feiert, wäre fast in der Alster gelandet. Es gab 1862 einen Entwurf vom Architekten Martin Haller, die Kunsthalle zwischen Binnen-und Außenalster zu bauen. Das Projekt wurde abgelehnt, zu feucht und zu teuer, man gab ihm seine Pläne zurück.

Das kann man in einem Katalog „150 Jahre Hamburger Kunsthalle“ vom Hamburger Abendblatt lesen. Sehr empfehlenswert, es sind dort sogar die Pläne von diesem Projekt abgebildet.

In diesem Katalog kann man nicht nur Kunst sehen, sondern auch alte Fotos und Erklärungen zur Kunsthalle. Und noch etwas wofür ich als Nicht-Hamburgerin und Seemannstochter sehr dankbar bin: Luftaufnahmen und Grundrisse der Kunsthalle. So kann man sich orientieren. Es ist wie ein Vorhang, der aufgeht. Dort steht sie, so sieht sie also aus. Zwischen Alster und Bahnhof, und das ist die grüne Kuppel.

Ursprünglich war die Lombardsbrücke aus Holz.

Sie wurde ungefähr alle 60 Jahren renoviert.

Ich habe ein Foto aus 1889, und da ist sie schon eine Steinbrücke, mit 8 Lampenpfosten und 40 Glaskugeln. Kein Verkehr. Die Kunsthalle ist auf dem Foto nicht zu sehen, sie wurde ja am Ufer gebaut.

1194 wurde das Lepra Hospital St.-Georg gegründet, außerhalb der Stadtmauern. Lepra ist nicht hochansteckend, und Betroffene müssen eigentlich nicht isoliert werden. Aber man betrachtete die Lepra wie eine Strafe Gottes, daher hatte man die Patienten außerhalb der Stadtmauern verbannt. Ein Antibiotikum hätte es auch getan.

Später wurde es ein Ort für die Pestkranken. Die Pest wird auch von Bakterien übertragen und ja, sie ist sehr ansteckend.

In Sankt Georg gibt es gute Restaurants, der Portugiese hat tollen Fisch und spricht fließendes Spanisch. Meine Freunde lieben Kuchen mit sehr viel Sahne, perfekt für einen Sonntagnachmittag. Es gibt bei uns keine Lepra und keine Pest mehr. Es geht uns gut.

Heidi hat mich zur Eröffnung der Kunsthalle mitgenommen und wir stehen stundenlang still um die Reden zu hören. Kunst für uns alle. Es ist sehr heiß im Raum und ich merke, was man in Hamburg braucht, was aber in keinem Reiseführer steht: einen Fächer.

Dennoch, wir sind von den ganzen Vorträgen fasziniert und schieben unseren Vorsatz, gleich mal an die frische Luft zu gehen, entschieden beiseite. Hier wollen wir sein. Wir wollen es hören, fühlen, mitkriegen. Wir sind uns einig: hier ist ein starkes Team und „der Neue“, der Nachfolger von Christoph Martin Vogtherr, scheint etwas auf dem Kasten zu haben. Heidi und ich nicken uns begeistert zu und flüstern „alles Klar!“

Es wird ein herrlicher Abend. Später steige ich aufs Fahrrad, fahre leicht über die Lombardsbrücke, stelle mir vor, die Kunsthalle würde dort in der Mitte stehen, übers Wasser thronend. Und Alexander Klar würde mit einem Segelschiff zur Arbeit fahren. Wir würden ihm vom Ufer zuwinken.

Die Nacht ist immer noch warm, es steht ein leichter Wind, ich segele den Gorch-Fock-Wall hoch, lächelnd durch die Nacht.

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