das Wasser

Oft sind die Flüsse der Ursprung einer Stadt. Das Wasser, das irgendwo aus einer Quelle sprudelt, findet seinen Weg zum Meer, ein kleines Rinnsal wird immer größer, es gräbt sich durch die Landschaft. Es formt die Landschaft.

Durch das Wasser entstehen die Täler, und somit auch die Hänge. Die kalten Nordhänge, mit spärlicher, schroffer Vegetation. Die verwöhnten Südhänge am Fluss, mit dem richtigen Boden für Wein. Falls Sie fruchtbaren Kalkboden antreffen, können Sie versuchen, Pinot Noir anzubauen. Eine hochempfindliche Beere, dünnhäutig und wählerisch. Sehr variabel, je nach Boden, Mikroklima, Lagerung, Verarbeitung. Jedes Detail entscheidet mit, ob Ihr Pinot vollmündig samtig oder streng sauer wird. Und lagern Sie ihn nicht für später, sparen Sie ihn nicht für eine bessere Gelegenheit auf, dieser Wein verliert seinen Charme, wenn er zu lange liegt.

Wollen sie Champagner? Dann brauchen Sie 38% der Pinot Noir Rebe. Der Rest in diesem Verschnitt ist Chardonnay und Schwarzriesling. Wenn sie die roten Trauben ohne Schale gären lassen, wird der Schaumwein weiß. Am besten, Sie fahren mal nach Frankreich, in die Champagner-Gegend, und lassen sich alles genau erklären. Besuchen Sie einige Weingüter und seien Sie überrascht über die Vielfalt der Aromen, lassen Sie sich auf ein prickelndes Abenteuer ein.

 Auf dem Weg von Quelle zum Meer fließen mehrere Flüsse zusammen, der Wasserstrom wird immer größer. Wo am Anfang ein kleiner, schnell fließender und unruhiger Bach aus dem Boden springt und den Felsen herunterpurzelt, eilig den Weg zum Meer sucht, immer weiter, wird der gleiche Bach später breit, tief und ruhig. Befahrbar, nützlich für den Menschen.

Viele Städte haben sich dort gegründet, wo Flüsse zusammenfließen, wo Handel getrieben werden konnte, wo Leute aus verschiedenen Gegenden aufeinander getroffen sind.

Ein Fluss gibt Wasser ab, es wird gesammelt, aufbereitet, in riesigen Rohren geleitet, unter Druck gesetzt, in ein Netz eingespeist. Der Druck ist so groß, dass alle Häuser der ganzen Stadt und Vorstadt angeschlossen werden können. Überall kann Wasser aus dem Hahn fließen. Sogar im 20. Stockwerk. Einfach aufdrehen. Wie viel Wasser verbraucht eine Stadt? Wie viel Wasser verbraucht Hamburg? Man hat mal ausgerechnet, 5.000 Liter pro Person pro Tag. Und nicht das Zähneputzen ist Ursache für einen erhöhten Wasserverbrauch, auch nicht das schnelle und erquickende Duschen oder die halbvolle Waschmaschine, der Verbrauch hängt vor allem davon ab, wie viel man sich auf den Teller packt, wo die Nahrung herkommt, und wie viel davon kompakte, wasserintensive Produkte wie Fleisch sind.

Die Häuser haben Bäder, Toiletten, Duschen. Es gibt Waschmaschinen und Spülmaschinen, sie laufen täglich. Dazu kommen Schwimmbäder, Autowaschanlagen, Fabriken, Gartenschläuche, Straßenreiniger. Eine Stadt entsteht am Wasser, dort liegt der Anfang des Wohlergehens, ohne Wasser keine Stadt.

Wenn nun das klare Grundwasser hochgepumpt wird und seinen Weg in die Stadt findet, oder die Stadt lässt den Fluss rein, muss er auch wieder raus. Das Wasser nimmt den Abfall mit, es braust durch die Straßen, durch die Häuser, durch die Menschen hindurch, alles wird ohne Unterbrechung gespült. Frisch gewaschen blicken wir jeden Morgen in einen neuen Tag hinein.

Mein Tagesticket führt mich nach Rothenburgsort. Vor dort aus nehme ich ein Stadtrad und fahre zur Elbinsel. Die können Sie übrigens jetzt auch direkt mit dem Bus erreichen, Linie 530 fährt zur Wasserkunst Kaltehofe.

Nach der großen Cholera-Epidemie von 1892 stellte man fest, dass eine Stadt ohne sauberes Trinkwasser nicht überleben würde. Nicht einmal der große Brand von 1842 hatte etwas geändert, es musste sauberes Wasser her. Ein Jahr später, 1893, eröffnete man die Wasserfilteranlage Wasserkunst Elbinsel.

Ich sehe, wie einige Leute über den Barfußpfad gehen wollen, sie ziehen sich die Schuhe und Socken aus, stehen dann ein wenig unentschlossen in der Kälte, fühlen mit den dicken Zeh in den Schlamm des Pfades und ziehen sich wieder an. Vielleicht besser bis zum Frühling oder Sommer warten, wenn die Füße warm sind und der Pfad besser in Schuss. Wie kann man die verschiedenen Naturstoffe ertasten, wenn die Füße halb gefroren sind? Wie kann man das warme Holz des Rindenmulches fühlen, wenn sich über die ganze Strecke eine glitschige Schicht Moos gebildet hat? Man muss es ja nicht übertreiben.

Ich schaue mir die Langsamsandfiltrationsanlage an, mit 22 Becken das erste Wasserwerk Hamburgs. So filterte man das Wasser aus der Elbe, sorgte für gesundes, klares Trinkwasser für die ganze Stadt. 1990 wurde das Werk stillgelegt.

Die Elbe und die Moorquellen strömen durch die Stadt, durch ihre Bewohner. Das Wasser wird heutzutage von 16 Wasserwerken hochgepumpt, belüftet, enteisent, gefiltert, entsäuert. Das zuviel an Mangan wird herausgeholt, bei der sogenannten Entmanganung, denn wir brauchen von diesem essentiellen Spurenelement doch nur 1mg am Tag. Ich stelle mir vor, wie die Energie dieses weit verzweigten Wassernetzes die Stadt überflutet und eine schönere, sauberere, fittere Umgebung hinterlässt.

Man braucht 120 Liter Wasser um ein Glas Rotwein herzustellen, lese ich abends in einer Zeitung. Ja, so denke ich, und schenke mir noch ein Glas ein. Diesmal trinke ich es ganz bewusst, ich esse keinen Käse dazu, ich will nicht noch mehr Wasser verbrauchen. Ich sitze da im Nachthemd und genieße pur und intensiv dieses volle Aroma von Kirschen und Brombeeren, mit einem Hauch Bittermandel und sogar etwas Blumiges, das muss ich mir noch überlegen, ich kenne den Duft, komme aber nicht auf den Namen der Blume. Er ist noch jung, er ist auf dem Höhepunkt seines Aromas, er hat alles, die Farbe ist perfekt.

Ich drehe den Wasserhahn in der Küche auf, spüle nachdenklich das Weinglas, trockne es ab. Dann ziehe ich mir über das Nachthemd die Jacke und die Gummistiefel an, gehe in die regnerische Nacht hinaus. Ich laufe durch die Straßen, die Haare werden schnell nass. Jeder Regenschirm wäre jetzt eine Beleidigung.

Veilchen, so denke ich, Veilchen.

Ich könnte tanzen jetzt, hier.

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