Das Muster der Wellen

Ob ich noch ein Stück Apfelkuchen essen sollte, als Mittagessen, wo mein Frühstück doch auch schon Apfelkuchen war? Klar doch, so die sympathischen Jungs von Coffee Roasters, https://www.hermeticcoffee.com/ es ist doch Apfelzeit, und one apple a day… Und so kommt es, dass ich mittags schon wieder mit Kaffee und Apfelkuchen in der Oktobersonne sitze.

Ich darf das. Ich bin heute morgen ganz früh aus dem Karolinenviertel hinuntergelaufen, durch Planten un Blomen. Der Park hat surrealistisch viele Formen und Farben. Der Morgennebel, der aus den Wasserflächen aufsteigt, inszeniert das theatralisch. Dazu verlegen sich die Wege des Parks ständig, sie haben nie die gleiche Richtung oder Form wie am Tag vorher. Es gelingt mir nicht, einen Weg durch den Park zweimal zu laufen, nachts wird alles neu geordnet, es kommen Bäume und Büsche hinzu, Wasserfälle, Stege. Die Kulissen werden ständig ausgetauscht.

Das wollte ich gestern untersuchen. Wie jede Person in Hamburg weiß, ist der Park abends ab 20:00h geschlossen, das kann man nachlesen, sogar im Internet, wie der aufgebrachte Parkwärter mir gestern Abend um 22:00 erklärte. Was ich hier machen würde, ob ich denn nicht lesen könnte, nehmen Sie das nicht persönlich.

Ich habe ihn angesehen und überlegt, es doch persönlich zu nehmen. Vielleicht sollte ich ihm das mit den Wanderwegen erklären, aber etwas sagte mir, es sei nicht der Moment dazu. Wege, die ständig wandern, stoßen nicht immer auf Verständnis. Ich hätte mich einfach verlaufen, so antwortete ich. Und ich wäre froh, ihn zu treffen, denn Gott weiß, vielleicht hätte ich sonst nie den richtigen Ausweg gefunden. Der Wachmann mit dem Hund kommt um 23:00, hier bleibt keiner im Busch zurück, so versicherte er mir und begleitete mich raus. Es wäre keiner mehr im Park, versuchte ich noch, aber er unterbrach mich, das sei ja wohl sein Job, er wäre der Verantwortliche mit dem Schlüsselbund und der Uniform, ich sollte mich da bitte raushalten. Und aus dem Park jetzt.

Heue morgen sah alles wieder komplett anders aus, aber ich habe mich damit schon längst abgefunden.

Waren Sie mal an einem Herbstmorgen an der Alster? Sind Sie vielleicht auf dem Fahrrad an mir vorbeigefahren heute früh, dick eingepackt, mit roten Backen und strahlenden Augen? Ich glaube, niemand meint, die Alster wäre unnötig. Sie ist ganz hübsch, gibt der Stadt eine gewisse Tiefe, sie ist glatt und weich, ein freundliches Wesen. Aber frühmorgens, wenn die Sonne aufgeht, der Nebel sich verzieht, das Wasser wie flüssiges Silber zwischen den Bäumen hängt und der tiefblauen Luft einen Grund zum Strahlen gibt, ist sie unfassbar attraktiv.

Ein schnelles und stilles Kanu schneidet leicht durch den Frostmorgen, die kaum merkbaren Wellen breiten sich über die Wasseroberfläche bis ins Unendliche aus. Sie treffen auf andere Wellen, ein geheimes Muster entsteht.

Die Menschen werden schöner, wenn sie morgens am Wasser sind. Wenn sie sich einige Minuten die Zeit nehmen, in die Ferne zu schauen. Kommen Sie vorbei, das schaffen Sie jetzt, am Wochenende bekamen wir alle eine volle Stunde Zeit geschenkt, einfach so.

Nach einer der ersten Frostnächte kann man auch die weißen Schatten sehen, die dem Park eine besondere Tiefe geben. Hinter den Bäumen strecken sie sich aus. Die Frostfläche zeichnet sich scharf ab, dort, wo die Sonne noch nicht war. Der Rest der Wiese ist leuchtend grün.

Ich esse meinen Apfel, der Kaffee ist phantastisch, ich bereite mich vor, nach Harburg zu fahren, vielleicht setze ich mich dort auf eine Bank im Hafen. Schiffe gucken, übers Wasser sehen, die surrealistisch vielen Formen und Farben der Architektur anschauen. Das geheime Muster der Wellen beobachten, eine Geschichte darüber schreiben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.