Rheinflüstern

Der Rhein liegt wie ein glatter Spiegel in seinem Flussbett. Er reflektiert die Häuser, die am Ufer stehen, die alte weiße Kirche, die Bäume. Ein gestochen scharfes Spiegelbild der Stadt im Wasser.

Die Sonne steht tief. Ein feiner Sichelmond hängt neben Venus über der Autobahnbrücke. Sonst ist der Abendhimmel leer, es sind keine Flugzeuge unterwegs. Auch das Ufer ist verlassen, kein Mensch ist zu sehen. Es stehen nur einige Bäume und Büsche hier, sie zeichnen sich scharf gegen den Himmel ab. Das steinige Ufer, auf dem ich mich befinde, ist normalerweise unter Wasser. Gerade ist es sehr trocken, es hat lange nicht geregnet und der Rhein zieht einen schmalen Streifen durch die Landschaft. Es wird langsam dunkel.

Eine Gestalt läuft auf dem unebenen Gelände hin und her, sucht etwas zwischen den Steinen. Er kommt zu mir und sagt nicht erschrecken, ich suche nur eine Tasche. Ich erschrecke mich nicht, frage, ob er etwas trinken möchte. Er meint, nein danke, mit Gras wäre ich zufrieden, und läuft weiter. Ich sehe ihm nach, wie er immer vager wird. Ist er echt?

Es ist jetzt ganz dunkel, die kleine weiße Kirche am gegenüber liegenden Ufer ist angestrahlt, die Lampen in den Häusern sind an. Ich sehe, wie jemand am Wasser steht und Fire Poi übt. Die Person selber kann ich nicht sehen, aber schon das wirbelnde Feuer, dort am anderen Ufer. Ich überlege kurz, auch ein Feuer zu machen, so dass wir korrespondieren können, es liegt ja genug Gestrüpp um mich herum und Streichhölzer habe ich in der Tasche. Außerdem ist in dieser Zeit der Kontaktsperre jede Art der Kommunikation willkommen. Aber ich mache es nicht, will einfach nur dort sitzen, auf einem Stein, am Ufer. In die Nacht sehen und das Leuchten gegenüber beobachten. Ein bisschen rheinflüstern.

Sind Sie Französin? So fragt mich ein Kunde am nächsten Tag am Telefon. Ich überlege kurz, ihm die Genugtuung zu geben, zu sagen, ich käme aus Paris.

Ich hätte dort Kunst studiert. Gerade würde ich auf meiner kleinen Dachterrasse sitzen und die Geräusche der Straße hören. Alte Renaults, Mopeds, Stimmen, aufgeregt, lachend, flirtend.

Der schlaksige junge Mann mit Schiebermütze, der unter mir wohnt, würde vorm offenen Fenster Baritonsaxophon üben. Auf der Dachterrasse gegenüber würde ich eine Nachbarin sehen, die zwischen den vielen Topfpflanzen ihre zarte Lingerie in Frühlingsfarben an die Wäscheleine hängt. Sie hätte die glänzenden, kastanienbraunen Haare in einem Zopf lose zusammengeflochten und würde ein Männerhemd tragen. Sie wäre barfuß.

Ich würde gerade Frühstückspause machen, die schmale Treppe heruntergehen, in das strahlende Frühlingswetter auf die Straße treten, mit einem herzlichen Bonjour Mademoiselle angesprochen werden. Ça va? Oui, ça va!

Der Bäcker hätte frische Baguettes ausliegen, der Duft wurde vom Frühlingswind durch die Straße getragen. Ich würde einen Kaffee und ein Croissant kaufen und mich auf die Terrasse am Brunnen setzen, unter den Bäumen, die die letzten weißen Blüten im Wind verabschieden. Der Wind, der mit den Röcken der Damen spielt, die Gazettes aufwirbeln lässt, die feinen Blütendüfte durch die Luft trägt. Keine Rose, kein Jasmin. Flieder.

Ich würde das Gespräch nun kurz unterbrechen, denn es setze sich gerade jemand zu mir. Ob ich denn gleich noch mal zurückrufen könne?

Ich widerstehe der Versuchung, eine solche Geschichte zu erzählen, denn ich befinde mich nicht in Paris, ich bin zuhause. Ich habe einen Akzent.

Ich komme aus Antwerpen.

Also nicht französisch. Dennoch sehr charmant.

Was mir auffällt, wenn ich im home office für Baufritz mit den Kunden rede, ist, dass viele Menschen höflicher sind. Sie sind bedachtsam, freundlich, haben mehr Zeit, reden in vollständigen Sätzen. Sie lassen auch mich aussprechen, sind netter als noch vor Corona. Oft sind die Kinder zuhause, die Atmosphäre ist dennoch entspannt, lebendig und offen. Heile Welt? Ich höre auch, wie Millionenbeträge verloren gegangen sind, Träume geplatzt, Beziehungen zerbrochen. Wie Verzweiflung wächst.

Keiner weiß, wie es weiter geht. Aber die Intelligenz bekommt wenigstens jetzt eine Chance, sich zu entfalten. Sie wird nicht mehr ständig unterdrückt, weil immer etwas anderes vorgeht. Sie wird nicht mehr von der Zeit überrollt, sondern darf sich endlich zeigen.

Ich denke an den Rhein, an die Stadt am Ufer, die mehr als doppelt so groß ist, wenn man das Spiegelbild dazu nimmt. Auch wenn es nicht materialistisch ist, sondern nur ein Bild, eine Erscheinung, etwas Ungreifbares, ist es da. Es gibt Schönheit und Klarheit, vermittelt Wissen und Möglichkeiten. Es kann nicht angegriffen werden, nicht vernichtet, es baut sich immer wieder auf, so bald das Wasser klar ist und die Sonne scheint.

Ich lege eine Schallplatte von Arvo Pärt auf, höre Spiegel im Spiegel, und denke an das menschliche Unvermögen, zu wissen, was echt ist, und was nur eine Vorstellung. Ich weiß, gleich kommt Sokrates mit seinem Höhlengleichnis um die Ecke.

Er hat es erarbeitet, sein Schüler Plato hat es aufgeschrieben. Sokrates war ein scharfsinniger Redner, gebrauchte Dialoge, um den Problemen auf den Grund zu gehen und den Schülern zum Erforschen und Nachdenken anzuregen. Der bekannteste Satz von ihm ist: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Er erteilte keinen klassischen Unterricht, trat während seinen öffentlichen Auftritten auch selber als Schüler auf. Dann wollte er belehrt werden, stellte geschickte Fragen. Damit machte er sich nicht überall gleich beliebt. Seine ironische und überlegene Art führte das Unwissen der anderen vor, und so beleidigte er manche Person, vor allem, wenn diese Person mächtig war und sich vor den jungen Schülern ins Lächerliche gezogen fühlte.

Sokrates setzte auf Dialoge, um Erkenntnis zu gewinnen, auf die Bestimmung des Guten, um darauf die Richtung des Handelns auszurichten, und auf Selbsterkenntnis, um ein gelungenes Dasein zu erreichen. Diese drei Grundsätze sind bis heute gültig. Man warf ihm jedoch vor, mit seinen Lehren die Jugend zu verderben. Er wurde zum Tode verurteilt als er 70 Jahre alt war und bekam den Schierlingsbecher.

Es war das Jahr 399 v.Chr.

Der gefleckte Schierling ist hochgiftig. Das Gift verursacht eine Lähmung des Rückenmarks, die bei den Füßen anfängt und mit Atemstillstand aufhört. Der Körper krampft und zuckt, bis auch die Lungen gelähmt werden und der Verurteilte bei vollem Bewusstsein erstickt. Lieber weniger Schmerz? Fügen Sie Mohnextrakt dem Becher hinzu, dann tritt eine Betäubung ein. Aber ist das besser? Ist der Schmerz dann weg?

Was wissen wir schon?

Kreativ sein

Der Wanderer über dem Nebelmeer ist die volle Portion Romantik. Dieses Gemälde von Caspar David Friedrich hängt in der Kunsthalle, vielleicht das berühmteste dort. Es ist eine Dauerleihgabe der SHK, der Stiftung Hamburger Kunsthallen. Als im Sommer 2019 an einem wunderschönen Augusttag der 150. Geburtstag der Kunsthalle gefeiert wurde, hat das Hamburger Abendblatt dieses Gemälde für die Vorderseite des Kataloges ausgewählt.

Dort steht er, der Mann im eleganten Mantel und mit einem Stock, oben auf einem Felsen, mit zerzausten Haaren. Er hat dem Betrachter den Rücken zugewandt, hält ihm ein Platz frei, so dass er über dem Nebelmeer mitgucken kann. So wird das Gemälde ein Fenster in die Romantik.

Wollen Sie es noch mythischer? Schauen Sie sich den Mönch am Meer an, vom gleichen Künstler, er hängt in Berlin. Sie sehen auch hier die Rückenansicht eines Mannes. Er steht an der Küste und sieht übers Wasser. Die Figur wirkt klein, fast verloren. Aber sie verändert die ganze Landschaft. Als Zuschauer sind Sie auch hier dabei, mitten im Bild, Sie sind Teil des Gemäldes.

Es gibt viele Menschen, die mit diesen romantischen Ideen nichts anfangen können, die sie übertrieben finden und zu leidenschaftlich. Vielleicht hilft in diesem Fall Christen Købke. Er kam 30 Jahre später, wohnte und arbeitete in Dänemark, malte seine Umgebung, ist kaum gereist. Seine Kunst ist ganz sauber, gewaschen, aufgeräumt, präzise. Hier findet man keine Spur von Ironie, kein bisschen Rebellion, keinen Druck. Nur Licht, Klarheit und Schönheit. So ungewöhnlich eindeutig wie das Wetter in diesem April.

Wir finden hier kein Mysterium, die Werke sind nicht spirituell. Sie sind genau und geradeaus, so wie man die Menschen auf der Straße am liebsten hätte. Aber vielleicht nicht den Liebhaber.

Die Titel der Gemälde sind eine direkte Beschreibung von dem, was abgebildet wird, mit Namen der abgebildeten Personen oder Orte, Tageszeit und Windrichtung. Sehr beruhigend, sehr zuverlässig. Kurz bevor die Fotografie erfunden wurde, war sie schon da, in den Gemälden von Christen Købke.

Was ist das Ziel der Kunst?

Was ist das Ziel der Wirtschaft?

Ich lese gerade, dass die Doppelspitze bei SAP sich aufgelöst hat. Frau Morgan und Herr Klein sind dort nicht mehr zusammen. Auch wenn der Name es anders vermuten lässt, ist es Jennifer Morgan, die klein beigeben musste und gegangen ist, nach kaum einem halben Jahr an der Spitze von Deutschlands wertvollstem Unternehmen. Dabei waren zwar ihr sympathisches Wesen, ihre Fähigkeit zum Zuhören und zum glasklaren Analysieren von Problemen bei Mitarbeitern und Kunden gut angekommen. Aber es folgten keine sichtbaren Aktionen, so Eva Müller im Manager Magazin.

Und was macht Christian Klein? Er organisiert, er tritt als scharfer Controller auf. Er sorgt für Verstärkung. Er schafft ein Vorstandsressort für Produkteentwicklung und besetzt ihn mit seinem Vertrauten Thomas Saueressig. Ein weiterer Kumpel, Jürgen Müller, wird Technikchef. Eva Müller schreibt, dieses Dreigestirn stellt eine überzeugende Roadmap für die Produktentwicklung der nächsten Jahre vor – mit klaren Daten.

Dieses Dreigestirn. Das Wort sagt einfach alles.

Der Artikel schließt ab mit einer Empfehlung für Frauen, die Spitzenpositionen besetzen möchten. Sie sollten die Regeln der Macht beherrschen und Leistung nachweisen können.

Das glasklare Analysieren hat also nicht ausgereicht, nicht bei SAP. Man braucht Leistung. Und in der Kunst? Auch wenn Christen Købke unfassbar genau und schön malt, fehlt auch da irgend etwas. Es ist nicht die Leistung. Es ist subtiler. Kunst ist eben nicht nur Technik.

Es ist schon dunkel, ich sitze draußen, mache ein Feuer von Tannenzapfen und Eichenholz. Plötzlich zieht eine Reihe von Sternen durch den Nachthimmel, eng zusammen und relativ schnell. Ich erschrecke mich, so etwas habe ich noch nie gesehen, aber dann fällt mir etwas ein, das ich gelesen habe. Es muss Starlink sein, von Elon Musk, eine Reihe von Satelliten. Es ist 22:00h und sie ziehen im südlichen Himmel durch die Nacht, ganz klar zu sehen.

Ich höre das Lied Vincent von Don McLean. Starry starry night, über Vincent van Gogh. Der niederländische Maler wusste nicht, was er wollte. Er ist viel gereist, hat immer wieder den Beruf und den Wohnplatz gewechselt und lebte teilweise in einer Nervenanstalt. Er sprach 5 Sprachen. Er konnte nicht nur Sonnenblumen im Licht malen, sondern auch Kartoffelesser in der Finsternis. De Aardappeleters.

Übrigens ist es nie bewiesen, wer 1888 ein Stück vom linken Van Gogh-Ohr abgeschnitten hat. Ich bin mir fast sicher, es war Gauguin.

Morgen wird das Wetter wieder klar sein, sonnig. Die Welt liegt unter der blauen Himmelskuppel, keine Wolke ist in Sicht, kein Flugzeug. Kein Wanderer, kein Nebelmeer. Kein Sturm, kein Mönch, keine Kartoffelesser in der Finsternis. Nur Sauberkeit und Schärfe.

Und jetzt brauchen wir Kunst. Wir brauchen die Künstler, die weitermachen, trotz Isolation. Die uns die Welt zeigen, so dass wir unsere eigene Lage relativieren können. Die uns zeigen, dass wir da sind, in einer Welt, in der Macht und Leistung zwar begehrenswert sind, aber nicht mehr greifen, wenn alles still steht.

Wir brauchen vielleicht doch wieder ein sympathisches Wesen, die Fähigkeit zum Zuhören, Einfühlungsvermögen und Kreativität.

Wir werden sehen. Das Leben wird weitergehen, irgendwie.

Wilde Tiere

Es dauert eine Weile, bis das Wasser im Kessel kocht. Ich gucke aus dem Fenster, die späte Sonne legt einen goldenen Schimmer über die Landschaft. Der japanische Kirschbaum oben auf der Wiese am Wald fängt das Licht auf. Er sieht so aus, als würde er von innen heraus leuchten. Ein paar Tage lang ist er überirdisch schön, auch wenn er überhaupt nicht in die Landschaft passt.

Ich habe den Wasserkessel von einem Nachbarn vor zwei Jahren geschenkt bekommen. Er hat ihn aus Dänemark mitgebracht. Es ist ein Gegenstand mit der richtigen Form, der perfekten Größe, er ist schön anzusehen. Ich höre, wie das Wasser zu kochen anfängt, drehe das Gas aus und sehe weiter aus dem Fenster. Dann stelle ich den Keramikfilter auf die Tasse, falte das Papier, kippe Hagenbecks’ Caféhausmischung rein und gieße das heiße Wasser auf.

Ich bin wieder sieben Jahre alt, es sind Sommerferien, ich übernachte bei meiner Großmutter. Das Geräusch der Kaffeemühle unten in der Küche weckt mich. Kurz überlege ich, wo ich bin, im großen antiken Bett, ich sehe die Tapete an. Vor dem Fenster bewegen sich leicht die geblümten Vorhänge, ich spüre den frühen Sommermorgen voller Versprechen.

Die Sonne scheint, ich habe bald Geburtstag. Die Ringeltaube ruft ihren fünfsilbigen Ruf, der unheimlich wäre, wäre es nicht ein strahlender Morgen Anfang Juli. Der Geruch von aufgebrühtem Kaffee kommt hoch. Barfuß gehe ich über den dicken Treppenläufer herunter, in der Küche sind die Großeltern, sie decken den Tisch. Dort ist auch der Kanarienvogel in seinem Käfig, er hat schon seine Orangenscheibe bekommen und singt.

Ich rufe Blacky, den schwarzen Labrador, wir rennen über das nasse Gras bis zum Schwimmbad. Ich springe kurz ins kalte Wasser, renne wieder zum Haus, bekomme ein großes, weiches Handtuch und Frühstück. Blacky trinkt auch einen Kaffee aus seinem Fressnapf, er braucht das morgens, dann glänzt sein Fell. Er legt sich zufrieden grunzend in seinen Korb und schließt die Augen.

Es muss der aufgebrühte Kaffee sein, der die Erinnerung an einem Sommermorgen in Antwerpen triggert. Tautropfen, Sommerfrische, sattes Grün, Ringeltauben. Klopapier, rosa wie japanische Kirschblüten. Meine Großmutter, die mich zum Markt schickt, um ihre Spezialmischung an Kaffeebohnen einzukaufen.

Jetzt, 40 Jahre später, möchte ich einfach einen Kaffee trinken und an meine Großmutter denken, Oma Rosa. Einen Kaffee ohne den ganzen Lärm der Maschine, ohne Befehle wie Satz leeren, Reinigen, Entkalken. Brüheinheit entfetten. Ich nehme die Tasse und gehe raus, spaziere durch die Straße, es ist ganz still. Die Sonne geht unter.

Gottfried Claes Carl Hagenbeck war der uneheliche Sohn eines flämischen Teppichfabrikanten und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in Hamburg geboren. Er wurde Fischverkäufer auf dem Kiez und hatte durch seine unkonventionelle Art viel Erfolg. Sie können die Geschichte nachlesen. Von seinen Fischern bekam er Seehunde, und stellte diese in Bottichen zur Schau, am Spielbudenplatz. Auch andere Tiere kamen hinzu, die meistens von Seeleuten aus fernen Ländern mitgebracht wurden. Affen, Papageie. Manchmal sieht man sie dort immer noch, vor allem im Wochenende.

Sein Sohn Carl organisierte außerdem Völkerschaus, die richtig viel Erfolg hatten. Heute sind wir natürlich empört, dass man Menschen zur Schau stellte. Es lief damals übrigens überhaupt nicht korrekt, die Bezahlung stimmte nicht, willkommen auf dem Kiez. Und die medizinische Versorgung ließ auch zu wünschen übrig, die Eskimos einer dort ausgestellten Dorfgemeinschaft sind alle gestorben, weil man vergessen hatte, sie gegen die Pocken zu impfen.

Zusammen mit seinem Halbbruder John gründete Carl einen Teehandel, auch Kaffee kam dazu, und immer mehr Tiere aus der ganzen Welt. Das Tierpark Hagenbeck liegt jetzt in Stellingen, ist 25 Hektar groß und in Privatbesitz.

Es gehört zu Hamburg, genauso wie der Kaffee in der Tigertüte, unverkennbar. Das Design bekam 2019 einen Red Dot Award. Hanseatisch, durchdacht, traditionell und bekannt.

Nur, Hagenbeck kommt aus Flandern.

Ich trinke den Kaffee, während ich durch die Straße laufe, ich denke an den Geruch vom Elefantengehege im Sommer, von dem Staub, den trockenen Tieren. Ich erinnere mich an die ganzen Leute überall, an den Lärm, die Unruhe. Mein Vater erzählte, wie die ersten Elefanten in Antwerpen durch die ganze Stadt gelaufen sind, vom Hafen bis zum Zoo, und wie das eine Sensation war. Ich hörte mir die Geschichte an, ich war sieben und wollte nicht zum Zoo. Blacky reichte mir. Ich wollte bei meiner Oma bleiben, im Garten spielen und schwimmen, den ganzen Sommer lang.

Schildkröte

Wo liegt noch mal Mauritius, fragt eins der Kinder, das ein Puzzle macht. Es ist eine Weltkarte, 1000 Stück. Ungefähr 870 km östlich von Madagaskar, sage ich, denn so steht es im Internet. Der Inselstaat liegt im Südwesten des Indischen Ozeans und ist für seine Briefmarken, die Rote und Blaue Mauritius, bekannt. Für den Rohrzucker und die Zuckerweißen Strände.

25 Millionen Euro werden dieses Jahr Mauritius nicht erreichen, denn die üblichen 40.000 Touristen aus China kommen nicht. Keiner kommt, alle müssen zuhause bleiben. Aber Sie können die Trauminsel zum Glück virtuell besuchen, und diesmal etwas über sie lernen. Zum Beispiel, dass sie das 5. Land der ganzen Welt war, das Briefmarken verwendete, im Jahr 1847. Und dass die Insel von den Portugiesen besetzt wurde. Danach von den Holländern, die den Dodo ausgerottet haben, von den Franzosen und von den Briten. Als diese letzte Besatzungsmacht abgezogen war, konnte sie endlich unabhängig werden. Die Riesenschildkröte wurde während der französischen Zeit ausgerottet.

La soupe de tortue, Schildkrötensuppe. Eins der wenigen kulinarischen Abenteuer, das von den Engländern erfunden und auch von den Franzosen geliebt wurde. Heutzutage kann man sie nicht mehr kaufen, Schildkrötenfleisch ist verboten. Auch Schildkröteneier bekommt man nicht mehr zu essen. Es gibt natürlich einen geheimen Weg, diese verbotenen Substanzen dennoch zu beziehen. Irgendwo im fernen China, in Wuhan, gibt es Wildtier-Märkte, dort bekommen Sie alles. Sie müssen nur damit rechnen, dass Sie sich dort etwas einfangen, das Sie nicht mehr so schnell loswerden. Und der Rest der Welt auch nicht.

War es eine Fledermaus? Oder war es doch die Schlange, die die Fledermaus gegessen hatte? Man hat den Ursprung von Covid-19 noch nicht endgültig geklärt. Übrigens befindet sich zufällig auch ein Hochsicherheitslaboratorium in Wuhan, das Forschung mit pathogenen Keimen betreibt. Mit den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. In einem Artikel von nature.com aus 2017 (!) hat man Bedenken, dass aus diesem Laboratorium Keime entkommen könnten. Die fehlende Transparenz im System und die herrschende Hierarchie könnten dafür sorgen, dass eventuelle Fehler viel zu spät bekannt gemacht werden. Das könnte die Ursache für eine weltweite Katastrophe sein. https://www.nature.com/news/inside-the-chinese-lab-poised-to-study-world-s-most-dangerous-pathogens-1.21487

Bruno Lina, der Leiter des VirPath Virenzentrum in Lyon, Frankreich, hat schon vor langer Zeit gewarnt, dass wir vor allem auf Viren, die von Tieren auf Menschen übergehen, aufpassen müssten.

Auf Mauritius ist der Dodo ausgestorben. Er war ein plumper Vogel, flugunfähig, mit schwacher Brustmuskulatur, er wurde einen Fehler Gottes genannt, oder auch eine gefiederte Schildkröte. Er wurde achtlos ausgerottet und vergessen. Bis Lewis Caroll über ihn schrieb, in Alice in Wonderland. Da fing man an, sich wieder für ihn zu interessieren, aber es ist ja zu spät jetzt, ausgestorben ist ausgestorben. Man wird ihn nie wieder sehen.  Er ist ein Fabeltier geworden, wie die falsche Schildkröte aus der gleichen Geschichte.

Schildkröte. Da denke ich an Dittsche, die Improvisationskomiksendung des WDR https://de.wikipedia.org/wiki/Dittsche. Ich denke an den schweigsamen Imbissgast in dieser Sendung, der sein Feierabendbier trinkt und in Ruhe gelassen werden möchte, man nennt ihn Schildkröte. Er wurde von Franz Jarnach gespielt, einem Musiker und Schauspieler, der Januar 2017 gestorben ist.

Ich sehe mir eine neuere Folge von Dittsche an, mit Schildkrötensohn. Und dann ist sie plötzlich da, die Sehnsucht nach Hamburg, sie überwältigt mich. Sehnsucht nach Wasser, Schiffen, Landungsbrücken. Nach Wind und Regen, Musik. Nach Menschen, die unterm Sonnenschirm auf Biergartenbänken ganz nah zusammensitzen, oder ohne Abstand Schlange stehen vor einem Café. Die sich am Sonntagmittag im Portugiesenviertel mit Freunden treffen und ohne Plan durch die Straßen schlendern.

Kinder spielen auf der Straße. In Planten un Blomen stehen Bänken in der Sonne oder versteckt zwischen den Büschen, man kann dort die Schattenspiele beobachten, das Licht, das sich ständig ändert. Die Farben.

Bald bin ich wieder dort. An einem Frühsommermorgen werde ich in Hamburg auf einer Holzbank in der kühlen Sonne sitzen, am Straßenrand. Vielleicht bei der Pasteleria Estrela, die süßen Brötchen kommen frisch aus dem Ofen. Der Kaffee heißt Galao und ist perfekt. Ich werde ein Sommerkleid anhaben und einen Schal, ich werde die Augen schließen, den Wind spüren, die Sonne, die immer wärmer wird, voller Versprechen. Ich werde ganz langsam den Kaffee trinken, ich werde den Schal ablegen, es wird nach Süden riechen.

Wo liegt noch mal Mauritius?

Hier ist die Magie

Ich spaziere an einem Wallnussbaum vorbei, der wie eine umgekehrte Lunge aussieht. Der Baumstamm wäre dann die Luftröhre. Es gibt zwei Flügel, der linke kleiner als der rechte, denn das Herz muss noch reinpassen. Ich sehe die Hauptverzweigungen, die kleineren Verästelungen, sie werden immer mehr und immer kleiner. Wenn die Blätter sich bald entfalten, könnten das die Lungenbläschen sein, dort findet der Gasaustausch statt.

Die Lunge ist unser Dialog, unsere Verbindung mit der Welt. Hier ist die Magie.

Es war, als würde etwas meine Brust fest umklammern, so Jill aus Schottland. Sie erzählt am Telefon, dass sie vom Erstickungsgefühl fast in Panik geraten ist. Sie fühlte sich gleichzeitig so schlecht, dass sie niemanden in ihrer Nähe haben wollte. Sie war sich völlig fremd, als wäre sie eine andere Person. Sie wollte nicht reden.

Ob sie denn auf Corona positiv getestet wurde?

Das ging nicht, es gab keinen freien Termin, ich konnte nach dem 2. Tag kaum noch gehen, konnte nicht einmal aufstehen. Ich bin durch die Wohnung gekrochen, Elfreda hat mir Lebensmittel vor die Tür gestellt. Und plötzlich nach 15 Tagen ging es wieder besser, ich konnte wieder atmen. Das war unfassbar schön.

Der Atem, das Leben. Er geht absurd einfach. Es atmet mich, ich brauche nichts zu tun. Unhörbar, fast unmerkbar, lebenswichtig. Anfang und Ende des Lebens. Nachdenklich gehe ich weiter und sehe mir den Baum genauer an, ich fotografiere ihn. Dann bekomme ich den Impuls, loszusprinten. Der Atem geht schneller. Es ist ein wolkenloser Aprilabend, ich bin draußen in der freien Natur, hier lauert keine Ansteckungsgefahr.

Eine Fledermaus schießt an mir vorbei. Ich meine zu hören, wie sie schrill lacht.

Die Fledermaus ist zusammen mit dem Flughund das einzige Säugetier, das fliegen kann. Sie orientiert sich mit Ultraschall, ist wahnsinnig schnell, vertilgt Insekten in der Nacht, versteckt sich während des Tages. Zusammengefaltet wie ein Päckchen hängt sie verkehrt herum, bescheiden in ihrem Mantel gehüllt. Still und unsichtbar schläft sie, bis es wieder Nacht wird.

Manche Sorten wiegen nur 2 Gramm. Sie pflanzt sich bedachtsam fort, nicht mehr als ein Baby pro Jahr. Die fürsorgliche Mutter fliegt mit dem Neugeborenen durch die Nacht. Es klammert sich voller Vertrauen an sie fest, auch wenn die Spitzengeschwindigkeit 160 km/h betragen kann. Für mehrere Wochen fliegt der Nachwuchs mit, bis er süchtig nach Geschwindigkeit alleine loszieht. Auf zu neuen Rekorden.

Jetzt wird die Fledermaus des Massenmordes beschuldigt.

Die Lunge tauscht die Informationen des Körpers mit denen der Umgebung aus, durch die Lunge werden wir erst Teil der Welt, sage ich, während wir eine Zigarettenpause einlegen. Ich rauche nicht, ich stelle mich aber dazu, passiv, denn wieso sollten nur Raucher Pause machen?

Wird es esoterisch jetzt? zweifelt Jeffrey meine Worte an. Er ist Anstreicher und wir stehen zusammen vor dem Haus. Er kommt mit vielen Menschen in Kontakt, zur Zeit natürlich auf Abstand, und wundert sich manchmal, wie weit sie das Glück suchen.

Wir mussten mal auf einer Baustelle alle Rolladen austauschen, erzählt er. Ich sehe ihn an, verstehe nicht, was er meint. Die Rolladen waren Rechtsroller, das ist schlecht für die Energie, wir haben alle wieder ausgebaut und Linksroller montiert. Hier steht er, der Anstreicher meines Vertrauens, und ich weiß nicht, ob ich an diese Geschichte glauben soll. Er arbeitet schon seit mehr als zwei Jahren mit unserer Firma zusammen, ohne ein Zeichen der geistigen Verwirrung.

Ich habe es gegoogelt. Es ist wie beim Klopapier, Linksroller ist, wenn das Blatt zwischen Wand und Rolle hängt, Rechtsroller heißt, das Blatt ist außen. Es gibt Leute, die richtig aggressiv werden, wenn das Klopapier falsch herum hängt. Vorausgesetzt, sie besitzen überhaupt noch Klopapier natürlich.

In dieser Corona-Zeit gibt es immer wieder diesen blöden Nachbarn, der den ganzen Vorrat schon aufgekauft und nach Hause geschleppt hat. Happy End steht auf der Packung, er hat das Klopapier gerade beim Discounter erworben, und es in seiner Doppelgarage gelagert, neben dem Mehl. Er ist dann genau der Nachbar, der am Sonntag 5 Personen weiter vorne in der Schlange vorm Bäcker steht. Selbstzufrieden. Er backt also doch nicht mit dem gekauften Mehl, auch wenn er mehr als 60 Kilo eingelagert hat. Er kann bestimmt nicht einmal backen.

Es ging aber über Rolladen, und ob die eine andere Energie verbreiten, je nachdem, wie sie rollen. Der durchtrainierte tätowierte Handwerker meint, er hätte diese falsche Energie noch nie gespürt. Aber der Kunde ist König, also hatte er alle Rolladen einfach wieder ausgebaut und die anderen eingebaut. Dann hat er alles noch einmal sauber verspachtelt und angestrichen, er hat ja Geduld.

Die habe ich auch. Ich kann stundenlang zuschauen, wie gespachtelt und angestrichen wird.

Ich denke an Glück. Wieder atmen können. Eine Krankheit überwinden. Überleben. Ich denke an Wasseradern, Erdmagnetfeldern, Elektrosmog. An Radon, ein Edelgas, das Lungenkrebs verursachen kann. An Beatmungsmaschinen. An Windrädern, die durch den Druckabfall die feinen Lungen der Fledermäuse platzen lassen können. Ich denke an links- oder rechtsdrehende Gegenstände, an Kristalle, Windspiele, Räucherstäbchen und Duftkerzen.

Ich atme tief ein, der Duft von Staub, Farbe und Kaffee durchströmt mich. Ich befinde mich mitten auf der Baustelle. Ich sehe Farbeimer, Werkzeug, Fachleute, die wissen was sie tun. Das Baustellenradio ist an, sie arbeiten gleichmäßig und fachmännisch konzentriert. Es gibt keine Diskussionen, jeder weiß, was er zu tun hat. Hier schlägt das Herz, die Lunge dehnt sich aus und bestimmt das Leben. Sie sieht wie ein Baum aus. Hier ist die Schönheit.

Und ja, hier ist die Magie.

www.team-farbenwelt.de

Apfelblüte

Du kannst Papa nicht sprechen, er ist ganz hinten im Obstgarten und sucht Eier, so meine Mutter an diesem Ostersonntag am Telefon. Ich wundere mich, dass die Eltern die Tradition immer noch beibehalten, und stelle mir meinen Vater vor, wie er mit seinem sandfarbenen Fischerhut auf dem Kopf und einem Körbchen am Arm in der leichten Frühlingsbrise unter den blühenden Obstbäumen stapft, um die Ostereier zu sammeln.

In Flandern ist ein sanftes Wetter, die Luft ist tiefblau, die Apfelblüte üppig und überschwenglich schön dieses Jahr, wie die Wolken eines barocken Gemäldes. Ich überlege, meiner Mutter vorsichtig darauf hinzuweisen, dass man Männern am Besten eine Aufgabe geben sollte, die Sinn macht, logisch ist und zum Erfolg führt, aber sie will mir den Garten zeigen.

Sie schaltet die Handykamera ein. Dort ist sie, meine wunderschöne Mutter. Ich überlege, ob ich überhaupt das Recht habe, mich einzumischen, vielleicht hat sie ja einen Grund, meinem Vater ab und zu einen Korb in die Hand zu geben. Ich sehe die weite, sonnenüberflutete Landschaft, die Obstbäume, die Sträucher und Büsche. Du siehst gut aus, sagt sie. Wir wollten heute Abend Spargel essen. Deswegen.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

Felix ist gestorben, sagt sie. In einem Seniorenheim, ganz plötzlich, wir haben es erst 2 Tage später erfahren. Auch ich habe Tränen in den Augen. Felix war ein Wanderfreund, er kannte sich mit der Natur aus, er war eine sanfte Person und lebte alleine. Jetzt also nicht mehr. Meine Mutter sieht weg und wechselt das Thema. Die Krähen haben die ganzen Eier vernichtet. Jetzt haben die Hühner ein anderes Versteck gesucht. Kein einziges Ei haben wir noch gefunden, schon seit 2 Tagen nicht. Aber Spargel isst man mit frischen Eiern, deswegen sucht er jetzt den Garten ab.

Zwanzigtausend Quadratmeter, so denke ich. Nichts für Anfänger.

Gerade läuten alle Glocken in den Kirchtürmen, es ist halb zehn. Ich schicke Ostergrüße ins flämische Land und hoffe, bald mal wieder hinfahren zu können. Wenn es nach Frühsommer riecht. Reife Erdbeeren in der Sonne.

Statt zu den Verwandten zu fahren, laufe ich nachmittags mit zwei Jugendlichen durch den Wald. Sie wollen barfuß durch den Bach gehen, warum nicht. Wir ziehen die Schuhe aus und waten durch den Matsch, dieses Ostern ist alles anders. Das Wasser ist noch sehr kalt, aber es hat lange nicht mehr geregnet, es ist nicht tief und hat wenig Strömung. Wenn wir die Zehen fast nicht mehr spüren, ziehen wir wieder Socken und Schuhe an, die Füße beginnen zu glühen.

Etwas weiter liegt ein Baumstamm über den Fluss. Wer traut sich, darüber zu laufen? Er liegt schon lange da, meistens laufe ich hier alleine vorbei. Die Versuchung übers Wasser zu gehen war bis jetzt eher klein. Aber jetzt ist die 22-jährige dabei. Sie springt auf den Stamm und läuft sicher bis zum anderen Ende und wieder zurück. Nicht nachdenken, so ihr Rat. Der 14-jährige tut es ihr nach. Beide sehen mich herausfordernd an.

Jeden Tag etwas tun, was Angst macht.

Das steht in Granada auf den Stufen einer Treppe zu Sacromonte, dem Heiligen Berg. Ich stelle mich auf den Baumstamm. Hält er mich? Vorsichtig gehe ich einige Schritte und merke, dass ich zittere. Der Sommerrock weht um meinen Beinen. Nicht nachdenken.

Unsicher erreiche ich das andere Ufer, ich drehe mich vorsichtig um. Was sind die anderen weit weg. Ich denke an Felix. Ich habe nicht den Mut, wieder über das Wasser zu gehen. Aber eine andere Möglichkeit gibt es nicht, ich atme ein und aus. Es ist überhaupt nicht gefährlich, 5 Meter über einen Stamm zu gehen, aber irgend etwas in mir wehrt sich dagegen.

Es fühlt sich erst gut an, wenn ich es geschafft habe und wieder herunterspringe. Es beschäftigt mich noch eine Weile, wie so etwas banales Angst machen kann. Aber es war wichtig, die Angt zu überwinden.

Hoffentlich lesen die Kinder das hier nicht.

Angst ist, wenn man etwas nicht unter Kontrolle hat und nicht weiß, wie es ausgeht. Es ist eine Abneigung gegen Veränderung.

Ein Virus wohnt in uns, ist Teil von uns, es ändert die ganze Welt. Keiner weiß, was kommt, wie groß es ist, wie es ausgeht, was die Folgen sein werden. Schlimmer geht es nicht.

Wir sind schon da, auf dem Boden der Angst. Wir können genauso gut versuchen, damit zu leben, so dass sie uns nicht lähmt. Weitergehen, irgendwie.

Im Wald hat sich ein Teppich von Buschwindröschen, Schabockkraut und Waldfeilchen ausgestreckt. Sie blühen, bis die Blätter der Bäume gewachsen sind und das Licht für sich beanspruchen. Im Herbst werden die Blätter fallen und die Pilze kriegen ihre Zeit. Alles ist in Bewegung, alles ändert sich. Die Hühner verstecken die Eier, die Krähen lernen dazu. Bald sind die Erdbeeren reif.

Die Natur atmet ein und aus und macht einfach weiter.

die Unendlichkeit

Vom Hamburger Holzhafen bis zur Staustufe Geesthacht wächst der Schierlings-Wasserfenchel. Sonst nirgendwo auf der Welt, nur dort. Es ist die Pflanze, die die weitere Elbvertiefung gestoppt hatte, damit war sie eine ganze Weile in den Nachrichten. Bevor irgend jemand sich über eine tiefere Elbe Gedanken machen konnte, musste zuerst eine Ausgleichsfläche für das Kraut gefunden werden.

Auf der Elbinsel Kaltehofe wurde man findig. Die Bedingungen dort werden als optimal für den Wasserfenchel eingestuft. Dazu müssen einige alte Wasserbecken vertieft werden, der Boden aus Beton und Ziegel wird herausgehämmert, die Pflanze braucht einen Untergrund aus Sand und Schlick.

Die Baumaßnahmen werden mehr als 11,6 Millionen Euro betragen, aber dafür kann der Schierlings-Wasserfenchel sich, wenn alles fertig ist, gemütlich über sieben Hektar ausbreiten. Sogar für die Tide wird gesorgt, denn die braucht sie, um sich richtig wohl zu fühlen, es wird ein Verbindungskanal zur Elbe gegraben. Für flache Böschungen und ein schattiges Ufer unter Weiden wird gesorgt. Und die Schieberhäuschen, die ich im Winter noch bewundert habe, sollten natürlich stehen bleiben, um den Charakter dieses Denkmals zu bewahren https://wasserkunst-hamburg.de/ .

Die Arbeiten können jedoch  nur im Herbst und Winter erfolgen, weil Kormorane auf der Elbinsel leben. Diese Vögel brüten im Frühjahr und dürfen dabei nicht gestört werden, man hat hier noch etwas gutzumachen. Kormorane wurden oft bedroht, heimliche Ausrottungsversuche durch Erschießen oder Eier klauen waren normal. Man fürchtete nämlich, der Vogel würde den Anglern die Fische wegessen. In Anglerzeitschriften liest man, dass ein Kormoran ein Pfund Fisch pro Tag verschlingt, was natürlich übertrieben ist.

Es gibt aber auch Jäger und Fischer, die ihn brauchen, weil sie erkannt haben, wie geschickt er ist. Sie dressieren ihn, wie ein Falke sitzt er auf der Faust und fährt mit auf dem Boot. In Japan soll es Exemplare geben, die bis zu 150 Fische pro Stunde fangen. Natürlich bekommt der Vogel ein Halsband um, denn sonst würde er den Fang einfach herunterschlucken, und bald das Interesse an weiterer Arbeit verlieren.

Wenn er den gefangenen Fisch ins Boot bringt, bekommt er eine Belohnung. Ein kleines Stück Fisch, dass durch den verengten Hals passt und natürlich lecker genug sein muss, um motivierend zu wirken. Dann geht es los zum nächsten Fisch.

Die Kormorane brüten jetzt, die Bauarbeiten auf Kaltehofe sind frühestens März 2021 fertig.

Wildkaninchen vermehren sich bis zu sechs mal pro Jahr. Jetzt, wo die Menschen zuhause bleiben sollen, vermehren sie sich besonders gut. Ich war gestern im Garten des Baufritz-Musterhauses und habe mir die tiefen Tunneln angesehen. Dort arbeite ich, erkläre den Besuchern, was die Vorteile eines ökologischen Holzhauses sind. Durch die vielen Besucher, die manchmal sogar Hunde dabei haben, halten die Kaninchen sich zögernd auf dem Hintergrund, aber jetzt sind ja alle Häuser im Park geschlossen. Die Tiere freuen sich über die neu gewonnene Freiheit und vermehren sich zügellos. Was tun, um sie zu vertreiben?

Leider fangen Kormorane nur Fisch.

Ich spreche mit einem Fachmann. Er schlägt vor, Gift auszulegen. Das kommt für mich natürlich nicht in Frage, ein totes Kaninchen irgendwo unterm Busch ist ja noch viel schlimmer als ein lebendiges, und das Ganze hört sich nicht besonders ökologisch an.

Ich frage meine Tochter, sie ist Biologin und kennt sich mit Naturschutz aus. Sie weiß immer eine Lösung, die für alle passt, ist tierlieb und gleichzeitig konsequent. Erschießen, meint sie.

Ich spreche mit einem Falkner. Er meint, seine Vögel fangen nur Krähen.

Ich könnte mir einen Hund ausleihen, einen, der buddeln kann. Aber vielleicht werden dann die Löcher und Tunneln einfach nur größer, ohne dass die Kaninchen verjagt werden. Sie wissen genau, wie grobmotorisch und ungestüm die Hunde sind und lachen sich ins Pfötchen.

Lavendel mögen sie nicht, so mein Cousin aus Belgien. Er hat eine Gartenbaufirma. Da könnte etwas dran sein, man legt ja auch Lavendelsäckchen in den Schrank, um Motten abzuschrecken. Also werde ich Lavendelöl zur Arbeit nehmen und ums Haus zwischen den Pflanzen verteilen. Sie sehen, ich stehe vor einem Dilemma. Es ist Ostern, und ich versuche, die Hasen zu verscheuchen.

Heimliche Ausrottungsversuchen durch Erschießen. Die andere Variante kommt auch nicht in Frage. Eier klauen. Hasen legen keine Eier, nicht Ostern und sonst auch nicht. Leider.

An diesem Osterfest geht keiner in die Kirche. Die Straßen der heiligen Stadt Rom sind verlassen, man kann im Fernsehen den Ostersegen empfangen, wenn man ihn denn braucht. Es gibt keine Familienfeste, keine Besuche, viele Personen liegen alleine in ihren Betten und vermissen ihre Lieben. Viele Personen können erst gar nicht an Ostern denken, weil ihre Arbeit unfassbar hart ist. Viele Personen sterben alleine.

Der Himmel schöner als jemals zuvor. Die Sterne sind ganz klar, der Mond nimmt ab.

Venus steht tief im Westen und leuchtet besonders hell. Die Nacht ist frisch und man kann bis ins All sehen.

Ich sehe die Unendlichkeit, die ich mir nie vorstellen konnte.

Kormoran – Phalacrocorax carbo -Cornelius Nozeman – Koninklijke Bibliotheek der Nederlanden

Frühlingsgefühle

Suchen Sie noch eine Beschäftigung an der frischen Luft, mit 2 Metern Abstand zu anderen Personen, eine naturnahe, meditative und frühlingshafte Tätigkeit, etwas, was Sie noch nie gemacht haben? Suchen Sie eine nützliche Beschäftigung, die nicht zu schwierig ist, aber auch nicht zu banal?

Sie können eine Spargelreihe mieten, sie ist 300 Meter lang und verspricht bis zu 150 kg Spargel. Der Spargel ist gepflanzt und wächst schon aus, aber weil es im Moment schwierig ist, die nötigen Saisonkräfte zu bekommen, können Sie selber ab Ende April im Feld Spargel stechen gehen, unter einem blauen Frühlingshimmel, zusammen mit Ihren Freunden.

Die Felder sind groß genug, um den nötigen Abstand einzuhalten und 150 kg ist eine Menge.

Überlegen Sie schon mal, wen Sie zum Essen einladen, nichts ist so herrlich wie selbstgeerntetes Gemüse, zumal Sie nicht einmal sähen müssen und Unkraut jäten, alles ist schon vorbereitet.

Der Anbieter dieses Projektes ist Hof Oelkers, Sie finden ihn auf Facebook.

Meine Eltern hatten in den 70-er Jahren Spargel im Garten. Im Mai wurde geerntet, der Spargel wurde von seiner Wurzel abgeschnitten, die Wurzel blieb in der Erde und durfte nicht beschädigt werden. Es gab auch immer ein paar Pflanzen, die einfach weiter wachsen durften, so dass im Sommer das zarte, wunderbare Grün im Wind wehte. Gibt es ein schöneres Grün? Feiner und verspielter? Wenn der Spargel auswächst bekommt die Pflanze rote Beeren, die nur halb giftig sind. Man kann sie als Kaffee-Ersatz verwenden, eine Weile lang geht das gut. Sie schmecken aber nicht.

Es gibt 220 Spargelarten, eine davon ist der Gemeine Spargel. Um ihn selber anzubauen, braucht man Klauen. Das sind Spargelpflanzen, die eins bis zwei Jahre alt sind, und wie eine Klaue aussehen. Im Herbst schneidet man die Stängel ab und schmeißt sie weg, wenn die Pflanzen im Frühjahr wieder austreiben, bedeckt man sie mit Erde, bis sie groß genug sind, um geerntet werden zu können. Falls man sie nicht mit Erde bedeckt, bekommt man grünen Spargel. Natürlich kann man sie auch aus Samen großziehen, aber das ist sehr umständlich, so dass Sie eine Weile brauchen werden, bevor Sie das erste Selbstgezüchtete auf den Tisch bringen können und so Ihren Besuch an einem lauwarmen Maiabend beeindrucken. Dafür können Sie dann stolz ein antikes Gemüse servieren. In Trier hat man ein römisches Spargel-Preisschild aus Blei gefunden, aus dem 2. Jahrhundert.

Ich telefoniere mit meinem Bruder und höre auf dem Hintergrund quakende Frösche. Jetzt schon? Er meint, sie sind schon eine Weile dabei. Sie quaken den ganzen Frühling lang, bis tief in den Sommer hinein. Sie quaken nicht nur, wenn sie paaren wollen, sondern es gibt auch Befreiungsrufe. Die ertönen, wenn ein Männchen versehentlich von einem anderen Männchen bestiegen und umklammert wurde.

Es gab schon öfter Gartenfeste bei meinem Bruder, am großen Teich, wo geheimnisvolle Lichter auf dem dunklen Wasser schwimmen und sich die Lampions in den Bäumen leise im Wind bewegen. Feste, die vom Froschfangen beherrscht wurden. Er bezahlt üblicherweise 1 Euro pro gefangenen Frosch. Bevor die Naturschützer jetzt aufschreien und auf die Barrikaden gehen, die Tiere werden ordentlich in Eimern gesammelt und ins Naturschutzgebiet gebracht, gleich nebenan, bei der Krötenwanderung passiert ja nichts anderes. Das Tier wird geschont und nicht zweckentfremdet.

Allerdings hat keiner jemals Geld damit verdient, die Frösche sind unglaublich schlau, sie haben sich nie fangen lassen. Sie werden im Laufe des Abends immer lauter, die Gäste immer ungenauer mit dem Lokalisieren der Tiere, von wegen Dunkelheit und so. An solchen Sommerabenden braucht man keine Musik mehr.

Die Frösche quaken mit bis zu 90 Dezibel.

Wenn der Sommer anfängt, so mein Bruder. Am 20. Juni gibt es ein Fest. Wahrscheinlich.

Ich freue mich schon darauf. Mal sehen, ob man sich dann schon wieder näher kommen darf.

Der Trick ist, man sollte den Froschlaich rechtzeitig entfernen, so ein Fachmann. Das ist natürlich in Deutschland absolut verboten. Man darf den Laich nicht anrühren. Die Tiere stehen unter strengstem Naturschutz. Auch wenn man Schülern in der Klasse zeigen möchte, wie so ein Frosch sich entwickelt, macht man sich strafbar, die Bußgelder können bis zu 65.000 Euro betragen.

Kein Kind der Welt sitzt diesen Frühling in der Klasse. Keine Lehrkraft wird in Versuchung geraten, illegale Substanzen mit in die Schule zu bringen. Die Schüler können jetzt alleine oder mit ihren Eltern spazieren gehen und die Natur direkt erleben. Sie können im Park an einem schattigen Weiher zusehen, wie sich der schimmernden Froschlaich entwickelt.

Die Kinder können endlich selber mit dem Hund spazieren gehen. Sie können lernen, wie man Haustiere versorgt, den Hamsterkäfig saubermachen, den Kaninchenstall. Sie können Erdbeeren pflanzen, oder vielleicht gar Spargel stechen. Den mögen sie natürlich nicht, er ist glitschig, labberig und flutscht von der Gabel. Aber man darf ihn mit den Händen essen. Man darf auch einen Korb mit Spargel füllen, mit einem feuchten Geschirrtuch bedecken und der Oma vor die Haustür stellen. Vielleicht mit einem kleinen Brief dazu oder eine Zeichnung. Blaue Luft, eine strahlende Sonne, keine Osterhasen.

Die Kinder werden ein Schuljahr verpassen, dafür aber die Eltern beobachten, vielleicht Verantwortung für die Großeltern spüren. Andere Bewegungsformen kennenlernen, einen anderen Rhythmus. Endlich mal richtig schlafen können.

An Osterhasen denkt gerade kein Mensch. Die sind vor-Corona. Wer glaubt denn jetzt noch an Hasen, die mit bunten Eiern durch den Tag hüpfen? Das Kind zeichnet echte Hühner, mit echten Eiern.

Vielleicht zeichnet es Froschlaich oder Kaulquappen, Regenwürmer, Kletterbäume, Apfelblüte. Schrebergartenglück.

Hauptsache, es zeichnet sich seine Welt ganz neu.

Warmlaufen

Die Rechtsanwälte können schon mal anfangen, sich warmzulaufen, so die belgische Radiosprecherin. Durch die Ausgangssperre wird der freie Verkehr von Personen und Gütern innerhalb der EU nicht mehr gewährleistet. Man darf das Haus nur für die nötigsten Einkäufe oder für den Arztbesuch verlassen, und man darf ohne triftigen Grund die Grenze nicht mehr überqueren, das ist eigentlich gesetzwidrig.

Heute wäre die Flandern-Rundfahrt, das meist populäre Radrennen in Belgien.

Nachdem Odiel Defraeye 1912 als erster Belgier die Tour de France gewonnen hatte, überzeugte er einen flämischen Zeitungsverleger, zuhause auch so einen Wettbewerb zu veranstalten.

Die Idee wurde sofort umgesetzt, so dass 1913 zum ersten Mal die Flandern-Rundfahrt stattfand. Am Anfang war der Wettbewerb noch recht unbekannt und er wurde nach 2 Jahren vom ersten Weltkrieg schon wieder unterbrochen.

Jedoch konnte der 2. Weltkrieg das radsportverrückte Flandern nicht mehr kleinkriegen. Während ganz Europa in Gewalt, Bomben und Flammen unterging, kämpften die Sportler an ihrer eigenen Front. Sie wollten das größte Volksfest Flanderns nicht mehr aufgeben. Kurz wurde das ganze Elend, die Unsicherheit und die unfassbare Gewalt beiseite geschoben, um den Sport zu feiern.

Bis in die 1960-er Jahren war nicht einmal die Hälfte der 250 km langen Strecke asphaltiert oder betoniert. Die Sportler hatten Kopfsteinpflaster und Feldwege zu meistern. Jetzt sind diese unebenen Wege genau das, was man haben will, und die wenigen Kilometer Kopfsteinpflaster werden heutzutage gepflegt und instand gesetzt. Sie werden gehütet wie ein teurer Schatz. Auf diesen Wegen findet Anfang April die meist pure Form eines Sportfestes statt. Man nennt es auch Flanders‘ Finest.

Eine von den Strecken, wo noch Kopfsteinpflaster liegt, geht über den Koppenberg, der nur 600 m lang ist. Dort müssen 64 Höhenmeter überwunden werden, die Steigung beträgt bis zu 22%. Das malerische Dörfchen drumherum verwandelt sich  am ersten Samstag im April in einen Olymp. Tausende Zuschauer, eine fast unmögliche Aufgabe. Viele Radfahrer stürzen und reißen ihre Teamkollegen mit, die Fahrer dahinter werden so gezwungen, abzusteigen. Irgendwie kämpfen sich alle mit ihren Rädern den Hang hoch, Tränen, Blut und Schweiß fließen in Strömen, das Publikum dreht durch.

Nicht so in diesem Corona-Frühling. Anders als im zweiten Weltkrieg fällt das Radrennen heute aus.

Sie können die Flandern-Rundfahrt virtuell verfolgen, im Fernsehen, und auf Ihrem Home-Trainer können Sie bestimmte Strecken mitfahren, versucht man die Fans zu beruhigen und zu Vernunft zu bringen.

Dennoch fährt die Polizei einen Großeinsatz, denn sie weiß, wie begeistert das Publikum ist. Auch wenn das Radrennen nur virtuell stattfinden kann, sind ganze Gruppen motiviert, an die Strecke zu reisen und dort zu stehen, wo sie jedes Jahr stehen. Traditionen lässt man nicht einfach fallen, ein Hometrainer ist keine Alternative.

Es gibt heute das schönste Frühlingswetter, das man sich vorstellen kann. Ich denke an die Leute in den Krankenhäusern. An die Patienten, die fast nicht mehr atmen können, an die Personen, die dort arbeiten, untersuchen, betreuen, entscheiden müssen. Entscheidungen treffen, die keiner für möglich gehalten hätte. Es ist vielleicht wie im Krieg, wenn plötzlich viel zu viele Leute medizinische Notversorgung brauchen. Tag und Nacht im Lazarett, kein Ende im Sicht.

Heftige Vorwürfe von Italien, dass Deutschland zu wenig Geld schickt, auch wenn hunderte Italiener dort intensivbehandelt werden. Alte Wunden reißen auf, der Krieg ist plötzlich wieder da. Die Wirtschaft ist erstarrt, die Welt ist in Shock.

In den Nachrichten gibt es immer neue Schreckensmeldungen.

Aber auch Lichtblicke. Junge Leute, die in ihrer Gin-Destillerie auf Spendenbasis Desinfektionsmittel herstellen, und dies an Pflegedienste weitergeben, wie Wanderer in Frechen https://www.wanderer-destillerie.de/corona

Geschäftsführer von Supermärkten, die für die zweite Packung WC-Papier 5 Euro mehr berechnen und für die dritte Packung noch mal 10 Euro mehr. Das Geld wird gespendet. Restaurants, die ihre Küche weiterhin aufhaben für den Verkauf außer Haus oder auch für bedürftige Menschen. Eine befreundete Dame, die jeden Tag Essen für einen Obdachlosen kocht, und es ihm im Park an eine bestimmte Stelle hinstellt. Die Feuerwehr, die mit Musik durch die Straßen fährt und verkündet, dass man nicht alleine ist, man kann einfach 112 anrufen.

Die Natur erwacht, sie lässt sich nicht beirren. Sie bereitet sich vor. Viele Menschen werden sich trennen, vom Partner oder vom Leben. Es wird viel Trauer geben, aber auch Hoffnung. Jetzt, wo keine Sportler ihre Hochleistungen zeigen, können wir die im Dauereinsatz tätigen Helfer unterstützen, sponsern und bewundern.

Die Bäume kriegen einen grünen Schleier und die Vögel waren noch nie so laut. Nachbarn nehmen einander plötzlich wahr. Kinder lernen endlich ihre Eltern kennen. Unnötige Sachen müssen nun nicht gekauft werden. Lingerie feiert Hochkonjunktur, man entdeckt wieder Sinnlichkeit und Phantasie.

Rechtanwälte laufen sich schon mal warm.

Oder sie sitzen in Quarantäne auf dem Hometrainer, verfolgen die Flandern-Rundfahrt und denken an den freien Verkehr.